Warum ein Fachzentrum AD(H)S?
Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betrifft häufig eine ganze Familie, da die ADHS eine starke erbliche Komponente hat. In vielen Familien ist nicht nur ein Kind betroffen, sondern häufig auch ein Elternteil – oft ohne es zu wissen. Viele Eltern berichten rückblickend von eigenen typischen Mustern (z. B. chronische Unruhe, Aufschieben, Chaos, emotionale Überforderung, impulsive Entscheidungen oder dauerhafte Erschöpfung).
Das hat direkte Auswirkungen:
- Eltern mit unbehandelter ADHS erleben Erziehung und Alltagsorganisation oft als deutlich belastender.
- Strukturen, die dem Kind helfen (Routinen, Terminmanagement, konsequente Regeln), sind schwerer umzusetzen, wenn die Eltern selbst ADHS-bedingte Schwierigkeiten haben.
In unseren Fachzentrum ADHS können wir:
- mögliche ADHS-Anzeichen bei Eltern erkennen
- Behandlungsstrategien aufeinander abstimmen
- den Familienalltag stabilisieren und harmonisieren
Wir bieten Perspektiven aus:
- Kinderärztlicher Sicht: Frühzeichen, Entwicklung, Schule, Familie, Lernprofile, Komorbiditäten
- Erwachsenensicht: langfristige Verläufe, Maskierung (v. a. bei Frauen), berufliche Anforderungen, Beziehungsdynamiken, Sucht- und Depressionsrisiken.
Das ADHS-Fachzentrum kann:
- Den Übergang ins Erwachsenenalter (Transition) frühzeitig planen
- Entlastung für Familien schaffen durch weniger externe Termine und verkürzte Wartezeiten
- einen individuellen Familien-Behandlungsplan entwickeln
Diagnostikplätze für Erwachsene sind knapp, Wartezeiten lang, Anlaufstellen überlastet. Wenn während der kindlichen Diagnostik deutlich wird, dass auch ein Elternteil betroffen sein könnte, entsteht ein nachvollziehbarer Wunsch: „Ich möchte das auch abklären lassen – möglichst zeitnah.“
Warum Selbstdiagnostik gerade zunimmt – und warum das riskant ist:
- Wenn Menschen keinen Diagnostikplatz finden, passiert etwas sehr Menschliches: Sie suchen Antworten. Die Tendenz zur Selbstdiagnostik über Internet-Tools, Checklisten, Social Media oder Apps nimmt deshalb zu. Das kann zunächst hilfreich wirken – denn Informationsangebote können entlasten und erste Orientierung geben.
- Aber: Orientierung ist nicht Diagnostik. Und genau hier liegen die Risiken.
Viele ADHS-Symptome sind unspezifisch. Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, Impulsivität oder Organisationsschwierigkeiten können auch andere Ursachen haben (z. B. Schlafmangel, Depression, Angststörung, Posttraumatische Belastungsstörung)
Zudem ist es wichtig, Begleitsymptome, Komorbiditäten und Sekundärfolgen zu erkennen und einzuordnen:
- Autismusspektrumstörung
- Teilleistungsschwächen (Lese-Rechtschreib-, Rechenschwäche)
- Schlafstörungen
- Dyspraxie (Alltagsungeschicklichkeit, Handschriftprobleme)
- Depressionen (bis hin zu Suizidalität)
- Angsterkrankungen
- Suchtentwicklungen
- Essstörungen
- bipolare Störungen
- emotionale Dysregulation
Die Behandlung sollte individuell zugeschnitten sein:
- Medikation: Ja oder Nein, und falls Ja - was, wann und wieviel?
- Psychoedukation zur Etablierung hilfreicher Routinen
- Tipps und Tricks zur Alltagsbewältigung